Artothek Galerie Dogan
Eifeler und internationale Kunst im Dialog

11.07 - 24.08.2010
BORDER CROSSING

Kunst-Ausstellungen in Schönecken und Prüm / Eifel

Parallelausstellungen in Schönecken und Prüm mit neun Kunstschaffenden aus Deutschland, Ghana, Luxemburg, Holland, Nigeria, Polen, Serbien und den USA.

Ausstellungsorte:

In Schönecken:

  • Altes Amt, Alter Markt 1
  • Blaue Galerie, Alter Markt 11
  • Alte Kirche am Friedhof
  • Burgkapelle am Burg- und Kapellenstieg

In Prüm:

  • KUNST-STATION im St. Joseph Krankenhaus, Kalvarienberg 4

Öffnungszeiten:

In Schönecken:

Sonntag, Montag, Dienstag von 14:30 - 16:30 Uhr mit Führung durch alle Ausstellungen sowie tägl. nach Vereinbarung unter Tel. 06553-3389.

In Prüm:

Täglich von 10:00 - 18:00 Uhr

Prof.Dr. Richmond Teye ACKAM

KNUST, Kumasi / Ghana (West-Afrika)

1976 B.A. (Art), Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST) in Kumasi

1980 M.F.A. (Painting), Howard University in Washington D.C (USA)

1997 Ph.D (African Studies), University of Ghana in Legon-Accra

Seit 1999 Associate Professor of Art, Department of Painting and Sculpture, KNUST, Kumasi.

Seine Ausstellungsorte:

01.05. - 06.06.2010 in Prüm, 23.06 - 21.07.2010 in der Schönecker Burgkapelle in Anwesenheit des Künstlers.

Anne BAHRINIPOUR

D-58456 Witten, Durchholzer Str.115

1953 geboren.

1974-1980 Studium der Freien Kunst in der FHS Köln, Examen für Objekt Design in der FHS Dortmund.

Seit 1993 freischaffende Künstlerin. Ausstellungen u.a. in Südafrika in 5 Städten anlässlich eines Künstleraustauschs.

Ihre Ausstellungsorte:

das Prümer Krankenhaus

Malou FABER-HILBERT

L-8063 Bertrange, rue Batty Weber 18

1955 geboren.

Künstlerische Ausbildung ab 1993: Sommerakademie in Luxemburg, Centre Pompidou in Paris, Académie Talens in La Ferté-Milon (F), Académie des Beaux Arts in Arlon (B), Atelier de gravure Alma in Francheville (F) und an der Europäischen Kunstakademie Trier.

Ihr Ausstellungsort:

das Mittelgeschoß im Alten Amt

Mauga HOUBA-HAUSHERR

D-47803 Krefeld, Grönkesdyk 9

1963 in Polen geboren.

Besuch der staatlichen Jugendkunstschule in Opole mit Abschluß 1982.

Im Jahre 1983 Übersiedlung in die BRD. Designstudium an der Hochschule Niederrhein mit Abschluß 1992.

Ihr Ausstellungsort:

die Blaue Galerie

Corrie KUIJS

NL-6542 HA Nijmegen, Ridderspoor 15

1955 geboren.

1983 - 1985 Academie Minerva, Groningen.

1985 - 1990 Hogeschool voor de Kunsten, Arnhem.

Ihr Ausstellungsort:

die Burgkapelle

Victoria APPLEBY LUCAS

D-54636 Hüttingen an der Kyll, Auf Hohbaum 10

In San Diego / Californien geboren.

Studium der Bildenden Kunst an texanischen Hochschulen: University of Texas in Austin, Southern Methodist University in Dallas und Dallas County Community Colleges.

In den frühen achtziger Jahren künstlerische schwarz-weiß Fotografin.

Seit 2001 abstrakte Malerei in Öl, Acryl, Kasein und Wachs sowie experimentelle Radiertechniken. Kontinuierliche Weiterbildung an der Europäischen Kunstakademie Trier, KWIK Rhaunen und VHS Bitburg.

Ihr Ausstellungsort:

der Sitzungssaal des Alten Amts.

Kingsley OGWARA

L-8310 Capellen, route d´ Arlon 8

1975 in Nigeria geboren.

1998 - 2004 Studium an der Delta State University in Abraka, Nigeria mit dem Abschluss "Bachelor of Fine and Applied Art".

Seit 2008 freischaffender Maler und Bildhauer.

Neben abstrakten Kompositionen in lebhaften Farben auch gegenständliche Malerei, die vom Leben in Afrika erzählt. Als Werkstoffe für Skulpturen benützt er vor allem Holz, Speckstein und Alabaster.

Sein Ausstellungsort:

die Blaue Galerie

Alexander SCHMID

D-54578 Nohn, Schulstr. 1

Er zeigt Masken, die sein Vater Gerhard-Thorbecke-Schmid mit Hilfe einer selbst entwickelten Recycling-Technik (Rekaustik) aus Kunststoffabfällen gestaltet hat. Japanische NO-Masken, die Philosophie des I-Ging und die griechische Mythologie lieferten dazu die Anregungen.

Sein Ausstellungsort:

das Alte Amt

Zarko SMILJANIC

RS-11000 Belgrad, Cede Mijatovica 3/10

1956 in Serbien geboren.

Studium der Malerei und Grafik an der Belgrader Kunstakademie, wo er auch Dozent an der druckgrafischen Abteilung ist.

Sein Ausstellungsort:

die Burgkapelle

Eine Grenzgängerin

Die Malerin Mauga Houba-Hausherr

1963 im polnischen Katowice als Kind deutscher Eltern geboren, ist Mauga Houba-Hausherr gleichsam von Geburt an eine Grenzgängerin. Als Deutsche mit polnischem Pass in Oberschlesien aufzuwachsen, in einer Region also, die vielen Polen bis auf den heutigen Tag noch zu deutsch, manchem Deutschen wiederum zu polnisch ist, lernt sie früh, zwischen der privaten, in deutscher Kultur verwurzelten und davon durchdrungenen Umgebung und dem offiziellen Status einer polnischen Staatsangehörigen zu vermitteln. Ebenso bald aber stellt sich die Erkenntnis ein, dass es hierbei weniger um die Bewältigung eines Problems geht als vielmehr um die einzigartige Möglichkeit, die verschiedenen, auch gegensätzlichen äußeren Einflüsse in der eigenen Person zu vereinen.

So wird Mauga zu dem, was sie heute ist: ein Mensch, der sowohl im alltäglichen Leben als auch in der künstlerischen Tätigkeit Grenzen nur mehr als Herausforderung seiner kreativen Integrationsfähigkeit sieht. „Wo Grenzen sind, da muss man Brücken bauen", sagt Mauga. Auch wenn man nicht beständig auf der einen oder anderen Seite bleiben wolle, sei es doch wichtig, beide erreichen und dort vom jeweils anderen Ufer berichten zu können. Dass sie dies natürlich auch unter dem nachhaltigen Eindruck sagt, als Kind und Jugendliche durch den Eisernen Vorhang genau daran gehindert worden zu sein, unterstreicht den politischen Grundton, der sowohl in ihrem Leben als auch in ihrer Arbeit mitklingt.

Die stilistische Verbundenheit mit dem starkfarbigen, konturenreichen Expressionismus ist in Maugas Werken schon früh gegenwärtig. Zugleich ist natürlich der Name der im Jahre 1905 von den wichtigsten Vertretern dieser Stilrichtung ins Leben gerufenen Künstlervereinigung „Brücke" schon deshalb Maugas Programm geworden als ihre Malerei in völligem Einklang mit Karl Schmidt-Rottluff steht, der den Begriff „Brücke" als programmatische Forderung nach einer Verbindung zwischen den verschiedenen Stilen in der bildenden Kunst interpretiert wissen will.

Dies zeigt sich in Maugas Malerei vor allem darin, dass sie - stilistisch am Expressionismus orientiert - in theoretischer Hinsicht auf dem traditionsreichen Fundament des polnischen Kolorismus steht, der - ganz anders als der kritische Expressionismus - zunächst ohne weitere Beachtung politischer oder gesellschaftlicher Kontexte gleich welcher Art das Bild als Ziel sieht und sich aus dem Glauben an die ewige Kunst nährt.

Maugas Malerei zu beschreiben, läuft also auf eine expressionistische, die Harmonie und Klangfülle der Farben und Formen betonende l'art pour l'art als Ästhetik um ihrer selbst willen hinaus, eine Realisierung des ästhetisch Schönen im autonomen Kunstwerk also, das letztlich über sich selbst hinausweist, eine begrenzte Wirklichkeit überschreitet und auch damit letztlich politisch ist.

Bei aller Liebe zu starken Farben überschreitet Mauga aber auch hier Grenzen. Ihre Aquarelle, die zu Hunderten vor allem auf ihren Reisen gleichsam im Vorübergehen entstehen und später nicht selten als motivische Vorlage für ihre Acryl- und Ölgemälde dienen, sind zumeist in eher zarten Tönen gehaltene Kunstwerke und damit das Gegenteil ihrer expressiven Leinwandarbeiten, in denen die wirklichkeitsgetreue Weitergabe von Eindrücken und Formen, die vermeintliche Richtigkeit von Anatomie, Perspektive oder Licht keinen rechten Platz mehr haben.

Selbstverständlich überschreitet Mauga auch die Grenzen ihrer eigenen Disziplin und sucht die Zusammenarbeit mit Vertretern anderer künstlerischer Darstellungsformen. Im Rahmen einer Kooperation mit einer Kölner Tanz-Compagnie etwa entstand für eine Neuproduktion ein 70 Quadratmeter großer Tanzboden, dessen Formen und Farben nicht etwa den Tanz illustrierten, sondern vielmehr der Ausgangspunkt für die Choreographie waren.

Eine andere Grenzüberschreitung der besonderen Art gelang mit einer Ausstellung, die im Jahre 2009 im polnischen Ozimek unter dem Titel „Okna" („Fenster") stattfand. Im Mittelpunkt standen dabei Gemälde, die mit Texten der polnischen Lyrikerin Ewa Parma korrespondieren, insofern nämlich als sie entweder ein literarisches Motiv aufgreifen und malerisch umsetzen oder auch umgekehrt ein Bild der Inspiration der Dichterin diente. Dass dieses Konzept - sowohl künstlerisch als auch politisch - vor Ort hohe Wellen schlug, von den Medien überschwänglich transportiert wurde und weitere Ausstellungen in anderen polnischen Städten, u.a. in Jelenia Gora und Kattowitz, folgten, macht deutlich, dass Mauga mit ihrer Arbeit das gelingt, was sich in der Politik oftmals als zähes und mühevolles Geschäft erweist: der von Neugier und Sympathie getragene vorbehaltlose Brückenschlag.

Corrie Kuijs und ihr Streben nach Perfektion

Corrie Kuijs strebt nach Perfektion. Dieses Streben ist ein Teil ihres Lebens, ihres Charakters, ihres Daseins. Sie ist der Meinung, dass sie sie noch nicht erreicht hat, noch lange nicht. Aber gerade das macht sie zu einer faszinierenden Künstlerin.

Denn während sie eigentlich auf der Suche ist nach der perfekten, der einzig richtigen und treffsicheren Form, lässt sie ihre Intuition sprechen, ihre Fähigkeit selbst zu bestimmen, welche Farbe ihr gefällt oder nicht, welche Form ihr gefällt oder eben nicht, welches Mass an Gerad-linig-keit ihr gefällt. Vielleicht findet sie eines Tages diese eine Form die sie sucht. Die Frage ist nur, ob wir diese eine Form dann zu sehen bekommen, denn die perfekte, die einzig richtige und treffsichere Form würde sie selbst übersteigen. Nein, Corrie Kuijs soll bitte auf der Suche bleiben!

Menschen abbilden interessiert sie nicht. Wahrscheinlich weil sie an Menschen schon ein so grosses Interesse hat. Schon immer, schon während ihrer Ausbildung an der Kunstakademie, zuerst in Groningen und später in Arnheim, war es die Architektur, die sie faszinierte. Wirklichkeit oder Phantasie, Türme, uneinnehmbare Festungen unberührt und wuchtig, aber auch und trotzdem verletzlich, von ihr selbst Wächter genannt. Gleichzeitig, auf jeden Fall aber schon während der ersten Jahre, entstehen ihre imaginären Räume: architektonische Gemälde, wobei es eigentlich nichts mehr ausmacht, was sie wohl oder nicht wirklich gesehen hat. Räume die, schon wieder, ohne Menschen und ohne irgendeine Form von Leben sind . Das gilt fuer alle ihre Gemälde. Es geht ihr um Einzelheiten und es hat mit diesen Räumen immer etwas Sonderbares auf sich. Nach den imaginären folgen 1999 die mentalen Räume.

Und dann entdeckt sie den Baukasten ihres Sohnes und alles geht auf einmal sehr schnell. Oder gerade nicht. Denn jetzt kommt auch der schwierigste Moment. Sie macht die Serie Zusammenstellungen. Lose Formen, hergeleitet aus dem Baukasten, zusammengestellt, mal in einem festen, mal in einem scheinbar losen Verband,
Es ist dieser Baukasten, der sie entdecken lässt, dass Architektur aus Formen besteht, die entweder zusammengestellt oder auch nicht zusammengestellt werden. Das sieht wie eine einfache Entdeckung aus, aber nur wenn man es -als Erwachsener- erfährt, wird man sich dessen bewusst. Und nur in der ständigen Wiederholung, sieht man die Möglichkeiten. Dadurch kann man sich von der Architektur befreien.

Sind es anfangs noch die Klötze aus dem Baukasten, so geht es ihr allmählich um die Kontraste zwischen Hell und Dunkel, zwischen Hoch und Tief und so weiter, um dann in abstrakten oder, noch besser, konkreten Formen zu enden. Nämlich Formen, die auf nichts anderes als auf sich selbst verweisen.

Zu gleicher Zeit gibt es dann auch - neue - Dilemmas. Wie perfekt oder perfektionistisch muss die Form sein oder werden ? In welchem Masse will der Kuenstler noch erkennbar bleiben in seiner Arbeit.? Oder wird diese gerade ohne ihn, wie von selbst bestimmt?
Bis jetzt und das besagt schon wie konsequent Corrie Kuijs arbeitet, trifft ein Ausspruch von ihr aus dem Jahre 1997 immer noch zu: " Ein Kunstwerk entsteht allmaehlich: ich schiebe genauso lange mit Formen bis das richtige Mass und die richtige Komposition entstanden ist, ich bringe genau solange dünne Schichten Farbe an, bis die richtige Tiefe, Helle und Ton der Farbe erreicht ist. (Aus einem Text von Alfred Kersaan von 1997.)

Das sagt sie über ihre Gemälde, aber gerade in ihren Objekten strebt sie die Perfektion an. Nicht die in Bronze gegossene Form, die sie letztendlich nicht im Griff hat, aber die strenge Form in Holz oder Messing, mit geraden Ecken und nicht noch ein wenig abgerundet. Aber hier wird deutlich, das es sogar mit diesen Materialien schwierig ist die perfekte, gerad(linige) Form zu erreichen.

Es wird noch Jahre dauern, bis Corrie Kuijs ihre perfekte Form, die einzig wahre, treffsichere Form finden wird. Wer weiss, vielleicht schafft sie es nie. Eigentlich können wir das nur hoffen.

Frits Bless
Alt-Direktor
Museum Reekum Apeldoorn
2008